Newsletterabmeldungen leicht gemacht?

Nachdem ich in letzter Zeit eine ganze Menge Newsletter abbestellt habe (lesen warum), durfte ich einige Erfahrungen mit verschiedenen Abmeldemodalitäten sammeln.

Zur Erinnerung ein Blick in die Empfehlungen für Newsletterbetreiber:

“Jeder Newsletter sollte eine Abbestellfunktion haben, die es Abonnenten ermöglicht, ohne Aufwand den Newsletter wieder abzubestellen.” (Mehr dazu bei Karsten Büttner)

So weit die Theorie. Die Praxis sieht etwas anders aus. Generell lassen sich sechs Haupttypen bei Abmeldungen unterscheiden. Die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, spiegelt jedoch den Grossteil meiner Erfahrungen der letzten Wochen wider:

1. Die Profis

In jedem Newsletter findet sich am Ende ein Abmeldelink. Ein Klick und die Abmeldung ist erledigt. Gegebenenfalls kommt noch eine Bestätigung per E-Mail mit einem netten Text. Der Aufwand für die Abmeldung ist minimal und wenn ich mal wieder interessiert bin, trage ich mich gerne wieder in die Abonnementenliste ein.

2. Die Rückversicherer

Im Newsletter findet sich ein Abmeldelink, der jedoch umgehend auf eine Rückfrageseite führt. Dort werde ich gefragt: „Wollen Sie wirklich abmelden??“. Ein weiterer Klick und das Abo ist beendet. Das Ganze ist schon etwas aufwendiger. Normalerweise gibt es hier keine zusätzliche Abmeldebestätigung per E-Mail.

3. Die Amateure

Amateure verschicken ihren News Letter per Outlook & Co. Es gibt keinen Abmeldelink sondern die Aufforderung: „Schicken Sie mir ein E-Mail, wenn Sie abmelden wollen.“ Macht man sich die Mühe, hört man in den meisten Fällen nie wieder etwas. Ob man tatsächlich abgemeldet ist, erfährt man erst dann wenn der Newsletter nicht mehr kommt – oder dann, wenn er trotzt Abmeldung wieder kommt. Individuellen Schriftwechsel führen, um sich aus einer Newsletterliste auszutragen? Habe ich eigentlich nicht vor.

4. Die Schikaneure

Der Abmeldelink führt auf eine Seite mit der Aufforderung „Damit Sie sich abmelden können, müssen Sie sich einloggen. Bitte geben Sie Ihre Benutzerkennung und Ihr Passwort ein.“ Wird die Publikation schon länger bezogen, gibt dies ein echtes Problem. Ich weiß weder, welche Daten ich 2002 dort eingetragen habe; noch habe ich Lust nach irgendeiner Anmeldebestätigung von 2002 zu suchen (die ich im Zweifel nie bekommen habe). Eine Abmeldung ist nur mit sehr viel Aufwand und Schriftverkehr möglich. In einigen Fällen werden sogar individuelle E-Mails mit der Bitte um Abmeldung ignoriert.

5. Die Gestrigen

Im Newsletter findet sich kein Abmeldelink, sondern die Aufforderung: „Schicken Sie eine E-Mail von der Adresse aus, an die der News Letter gesandt wurde mit dem Kommando „unsubscribe“ an ….” Dies war vor Jahren ein gängiges Verfahren, birgt aber mehrere Quellen für Fehler und Ärgernisse.

a) Wer, wie ich, eine Adresse ausschließlich für E-Mail-Empfang hat, hat schon verloren. Da ich für diese Adresse keinen Sendeaccount habe, ist es unmöglich, mich ohne zusätzlichen Schriftwechsel abzumelden. Abmeldeversuche mit “unsubscribe und der Empfängeradresse” werden umgehend beantwortet: „Der Mail-Robot hat Ihre E-Mail-Adresse nicht erkannt. Bitte versuchen Sie es noch einmal……“

b) Im Newsletter ist nicht zu erkennen, mit welcher Adresse er abonniert war. Die Folge: Versuch und Irrtum. Und automatische Rückmeldungen wie bei a.)-

c) Schreibfehler im Abmeldekommando führen ebenfalls zu prompten Rück-E-Mails: „Der Mail-Robot hat Ihr Kommando nicht erkannt……”.

Anstatt mich einfach abzumelden, werde ich bei den gestrigen gezwungen, Detektiv zu spielen, bis ich alle Anforderungen eines Mail-Robots erfüllt habe.

6. Die Heimlichen

Sie machen sich die Sache ganz einfach. Im Newsletter findet sich zur Abmeldung – nichts.

7. Die Kombinierer

Auch Kombinationen der beschriebenen Typen sind sehr beliebt, um Abmeldungen so schwierig wie möglich zu gestalten. Gern genommen wird beispielsweise die Kombination Gestriger mit anschließender Schikane.

Fazit und mein Tipp für alle Newsletterbetreiber

Entscheiden Sie sich für eine professionelle Lösung und machen Sie es Ihren Lesern wirklich so einfach wie möglich, sich abzumelden. Sonst gibt es für Abmeldewillige Lösungen, bei denen Newsletterherausgeber immer den Kürzeren ziehen. Bei Google gibt es beispielsweise den Knopf „Spam melden“.

Ich persönlich kann beim dritten Abmeldeversuch bei einem Gestrigen oder bei einem Schikaneur nicht mehr für mich garantieren …

Nachtrag am 11. März 2008

Aus aktuellem Anlass muss ich die Typologie um zwei weitere Arten ergänzen.

8. Die Dilettanten

Im Newsletter gibt es einen Abmeldelink, der auf eine Fehlerseite führt (Fehler 404 – Die Seite die Sie aufgerufen haben gibt es leider nicht …).

9. Die Dummdreisten

Wie gehabt findet sich im Newsletter ein Abmeldelink. Der Klick darauf führt auf die Startseite des Herausgebers. Dort findet sich keinerlei Hinweis zum Newsletter (interessant, dass es sich dabei um einen Anbieter von professionellen CMS-Systemen handelt).

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  1. Rolf F. Katzenberger
    1535 Tage ago

    Sehr konstruktiver Artikel!

    Ab Schmerz-Stufe 3 hilft am schnellsten ein einfacher Weg: beim eigenen E-Mail-Provider einen Filter setzen und die unerwünschten Newsletter davon ins Jenseits befördern lassen, nach Absender oder Schlüsselwort im Titel, bevor sie mich überhaupt erreichen…